BuchBlog - Abigail Rook Author

bigail
Direkt zum Seiteninhalt

Corona Tests

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von Andreas in Allgemeines · 27 März 2021
Tags: Schnelltest
Bald kann sich jeder auf SarsCov2 selbst testen, so verspricht es die kompetenteste Task-Force seit Lolek und Bolek. Mund auf, Stäbchen rein, eine Viertelstunde warten und voilá!

Im besten Falle sieht man nur einen Strich bei „C“ (oder „T“, wenn man das Stäbchen vorher in Cola getaucht hat), im schlechten Fall zwei. Letzteres hieße „positiv“ und bedeutet… Ja, was bedeutet es eigentlich? Ein Innenminister mit französischem Nachnahmen hat das mal so formuliert: „Die Antwort auf diese Frage würde Teile der Bevölkerung verunsichern.“

Kurz: es kommt nämlich darauf an wo Sie wohnen und ob Sie sich krank fühlen. Denn der positive prädiktive Wert (PPV), also der Vorhersagewert, ob ein positives Testergebnis auch tatsächlich einer Infektion entspricht, ist Abhängig von der Prävalenz (die Rate der zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt an einer bestimmten Krankheit Erkrankten).

Was heißt das jetzt nun wieder? Ganz simpel: je größer die Prävalenz, also die „Viruslast“ in der Bevölkerung, desto besser der PPV. Eigentlich ganz logisch: bei hoher Prävalenz steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man das Virus hat. Wenn man sich krank fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit zudem ungleich höher als wenn man kerngesund und strotzend vor Energie am Eingang des Fitness-Centers noch schnell einen Abstrich macht.

Die Corona-Schnellteste werden mit einer Spezifität von bis zu 98% angegeben. Das ist ein guter Wert! Nur zwei von 100 getesteten Personen sind somit falsch positiv. Angenommen 80% der Getesteten hätten tatsächlich eine Infektion, dann wäre die Falschpositivrate zu vernachlässigen. Wenn nämlich der Test hochsensitiv ist, also jede Infektion zuverlässig erkennt, dann hätten wir 82% Positive, also nur 2,43% Falschpositive.
Aber jetzt kommts! Liegt die tatsächliche Prävalenz allerdings bei schlappen 1%, dann sieht es nicht mehr so toll aus. Der Test würde den einen Patienten von 100 zuverlässig entdecken, der wirklich Corona hat und 2 weitere zum Virusträger abstempeln, obwohl sie nicht infiziert sind: Falschpositivrate 75%!

In der aktuellen pandemischen Situation ist (zum Glück) die Prävalenz eher niedrig. Für unsere Teststrategie ist das aber schlecht!  Denn aktuell hieße das, einer oder sogar zwei von drei positiven Test wären gar nicht positiv!
Sind die Drostens und Brinkmanns dieser Welt also alle völlig verblödet?
Nun, ich würde sagen, mit einem extrem hohen PPV: Nein

Das RKI schreibt eindeutig: Ein positives (Schnell)-Testergebnis bedarf zur Vermeidung falsch-positiver Befunde einer Nachtestung mittels PCR.

Aha, der „Drosten“-PCR soll es also retten! Aber ist der nicht genauso unzuverlässig? Ja, ist er, auch wenn die Spezifität der meisten Corona-Test-Arrays mit rund 99% noch etwas höher liegt, als bei den Schnelltests.
Aber, zum Glück ist die Welt komplizierter als man denkt und Wahrscheinlichkeiten addieren sich nicht einfach, sondern multiplizieren sich! Eine Nachtestung eines 98% spezifischen Test mit einem anderen 99% spezifischen Test ergibt eine Gesamtspezifität von 99,98%! Nur zwei Tests von Zehntausend würden deshalb auch im zweiten Test falsch positiv sein. Das klingt doch schon besser, oder?

Und es kommt sogar noch besser: die Spezifität des PCR ist gar nicht nur 99%, sondern 99,99%! Denn auch beim PCR wird doppelt getestet. Beim zweiten Mal auf einen anderen Genom-Abschnitt des Virus. Dieses Duale-Targeting erhöht die Spezifität und damit den positiven prädiktiven Werkt auch bei niedrigen Prävalenzen enorm. Es wird daher vom RKI und der WHO seit Monaten empfohlen (und in Deutschland auch gemacht)

Aber, aber… der Professor aus Hannover hat doch! Und diese Neupartei schreibt doch.. !

Ja, ich kenne die Aussagen: „Zero Covid“ sei gar nicht möglich, weil der PCR so unspezifisch sei und wir NIEMALS unter 35er Inzidenzen kämen.

Ich hoffe, ich habe mit meiner kurzen Ausführung klargestellt, dass diese Aussagen großer Quatsch sind. Sie würden nur stimmen, wenn das RKI und die WHO tatsächlich nichts von Mathematik verstünden.
Ob was Wahres an Professur Humbugs Aussage dran ist, kann man ohne mathematische Kenntnisse auch ganz einfach selbst schlussfolgern, indem man mal über den deutschen Tellerrand schaut: Neuseeland und Australien haben seit Monaten(!) Inzidenzen von unter 10!

Mit Euren neuen medizinstatistischen Kenntnissen wisst ihr jetzt, dass von diesen paar Hanseln nicht alle wirklich Corona haben, vielleicht sogar niemand (die tatsächliche Prävalenz kennt ja keiner).
Aber beneidenswert die Pandemie unter Kontrolle gebracht, das haben diese beiden Länder, gell?
Ganz im Gegensatz zu Deutschland.




Es gibt noch keine Rezension.
0
0
0
0
0
Zurück zum Seiteninhalt