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Big Tech und die Moral

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von Andreas in Allgemeines · 10 Januar 2021
Tags: Zensur
Nach unzähligen Lügen, Beleidigungen, Verleumdungen und rassistischen Ausfällen des mächtigsten Mannes der Welt und seiner Entourage sperrt Twitter diese Accounts.

Man könnte es konsequent nennen, wäre da nicht ein Problem: dieser Schritt kommt mindesten vier Jahre zu spät. Warum also jetzt, so kurz vor dem Machtwechsel? Warum beteiligen sich auch Facebook und sogar Amazon (durch Kündigung des Servicevertrages mit Parler, einem Twitter-ähnlichen Dienst ohne strikte Inhaltsregelung)?
Fragt man das rechte Lager, ist die Antwort eindeutig: Big Tech sei vom "Deep State" durchseucht und agiere als verlängerter Arm des Wahrheits-Ministeriums einer geheimen Weltregierung, oder zumindest auf Anweisung einer durchtriebenen Elite mit auffälligen Hakennasen.
 
Fragt man die Linken, sind die Antworten nicht weniger absurd: Zuckerberg, Bezos und Co. würden ihre Muskeln spielen lassen, um der Welt zu zeigen, wer wirklich an der Spitze der Nahrungskette im politischen Washington steht. Also eher eine Art Drohgeste an die Politik, als ein mutiger Schritt gegen antidemokratische Auswüchse.
 
Beide Erklärungsansätze ignorieren einen entscheidenden Punkt: Twitter, Facebook und Amazon sind Wirtschaftsunternehmen, die sich trotz ihrer Größe ein Vergrätzen von Millionen von Kunden nicht ohne Weiteres leisten können. Donald Trump hatte zuletzt 88 Millionen Twitter-Follower. Auch wenn gut die Hälfte davon Bots waren und wohl auch ein ordentlicher Anteil Linke mitlasen, riskiert es Jack Dorsey, der Chef von Twitter, sicher nicht allzu gern, Werbekunden im achtstelligen Bereich zu verlieren. So etwas mögen die werten Aktionär*innen nicht. Eine Erklärung für den späten Zeitpunkt dieses geschichtsträchtigen Schrittes lassen die Erklärungsversuche der Linken wie auch der Rechten ebenfalls vermissen.

Um der Realität etwas näher zu kommen und die wahren Gründe für Trumps Verbannung aus dem Twitter/Facebook Universum zu herauszuarbeiten, muss man aber nicht in der Kontaktliste der Silicon Valley Größen stehen und Dorsey persönlich fragen. Es reicht, sich in die Ereignisse der letzten Tage anzuschauen.

Ein rechter Mob stürmte am 6.1.2021 das Capitol, in dem die Legislative gerade formal den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten ausrief. Es kamen dabei mehrere Menschen ums Leben, darunter auch ein Polizist. Büros von Abgeordneten und Senatoren wurden verwüstet, Gegenstände entwendet, selbstgebastelte Bomben platziert. Dieses Ereignis einen versuchten Staatsstreich eines abgewählten Präsidenten zu nennen, ist weder übertrieben noch politisch motiviert. Die Beweislage ist sehr eindeutig. Millionen Menschen habe es live im Fernsehen miterlebt.

Dieser Putschversuch wird ein politisches, vor allem aber ein juristisches Nachspiel haben, das die US-Politik für Jahre beschäftigen wird. Es wird die Schuldfrage gestellt werden und Trump, wie auch seine Republikaner, werden nicht die einzigen Angeklagten sein.

Big Tech weiß um seine schwierige Position. Die Fragen seiner Mitschuld und der Haftbarkeit werden lauter werden, viel lauter. Und sein Ankläger wird mächtig sein.
 
Die Demokraten werden für mindesten zwei Jahre Kongress und Senat kontrollieren und haben zudem das Präsidentenamt inne. Gesetzesänderungen zur Kontrolle der Konzerne, ja selbst das Zerschlagen der Social-Media Giganten erscheinen plötzlich nicht nur möglich, sondern sogar als wahrscheinlich. Es würde ungemütlich werden in Silicon Valley.
 
Kurz, Twitter musste die Notbremse ziehen, um seine Position im Gerichtsaal von Post-Trump-Washington zu verbessern und sperrte deshalb am 7.1. Donald Trumps Account. Die Gefahr, die nächsten Jahre als Konzern nicht zu überleben wurde offenbar als so groß eingestuft, dass man lieber auf vierzig Millionen Nutzer verzichtet. Facebook und Amazon kamen zum gleichen Ergebnis ihrer strategischen Überlegungen.  
 
Letztlich war also das Erheben gegen den Trumpismus kein mutiger Schritt für die Demokratie.
 
Es war profane Geschäftsstrategie.
 
Was sollte man auch sonst von Kapitalisten erwarten?

Andreas



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