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Obsidian

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von in Jugendbuch · 20 Juni 2020
Tags: Obsidian
Gleich ein kleines Fazit vorweg: Wenn man nach einer Geschichte über eine leidenschaftliche Jugendromanze sucht, wird man mit der Obsidian-Reihe glücklich, denn die Bücher halten in dieser Beziehung, was sie versprechen. Die beiden Hauptcharaktere haben von Anfang an eine sehr präsente Bindung zueinander, auch wenn ihre ersten Begegnungen unglücklich verlaufen – so viel darf ich verraten, steht schließlich im Klappentext.

 
 
Das war's aber eigentlich auch schon mit dem Lob.
 

Im Folgenden lest ihr ein paar Gedanken, die ich mir während und nach dem Lesen dieser fünf Bücher gemacht habe. Sucht nicht nach dem roten Faden, der ist mir abhanden gekommen. Aber egal.

 
Mir kommt es vor, als wären die beiden Hauptprotagonisten Katy und Daemon die einzigen, die richtig charakterisiert worden sind. Ohne groß spoilern zu wollen, halte ich die Nebencharaktere allenfalls für Skizzen. Ihre Persönlichkeiten sind weder ausgefeilt, noch erfährt irgendeiner dieser Neben-Protas eine Art von Charakter-Weiterentwicklung. Man kann argumentieren, dass die Nebencharaktere nun eben nebensächlich sind - Figuren, auf denen nicht der Fokus der Geschichte liegt. Ich persönlich lege als Leser aber eine Menge Wert darauf, dass Charaktere ausdrucksstarke und nachvollziehbare Persönlichkeiten haben, was auch im Sci-Fi-Fantasy-Bereich nicht zu viel verlangt sein sollte. Allerdings ist das, wie gesagt, meine persönliche Meinung und wohl Geschmackssache.

 
 
Sci-Fi-Fantasy-Bereich, fragt ihr? Ja, so würde ich das Genre bezeichnen. Wobei die Bücher als Romantasy kategorisiert werden, was auch Sinn macht, da sich wahre Science Fiction-Fans von ihrem Lesestoff mit Sicherheit etwas anderes erhoffen – und das meine ich nicht als Kritik, oder vielleicht doch, denn was zur Hölle ist Romantasy? Brrrr. Die Obsidian-Reihe ist ein Fantasy Werk mit einem winzigen Anteil "Science" und VIEL Liebe. Womöglich ist das der Grund meiner Frustration, die in mir beim Lesen der Geschichte aufkam – wobei ich ehrlich gesagt überhaupt kein Science-Fiction-Leser bin. Hier nehme ich gleich mal vorweg, dass sich im nächsten Absatz Spoiler befinden werden, also überspringt ihn einfach, wenn ihr die nicht lesen wollt.

 
 
Hauptthema der Geschichte sind Aliens und ihre Beziehung untereinander bzw. zu uns Menschen. Es geht um die Lux und – sehr viel weniger ausgefeilt und beachtet – um die Arum, die beide aus derselben hintersten Ecke des Universums kommen, nachdem sie durch einen Krieg gegeneinander ihren Planeten vernichtet haben und sich nun einen neuen Lebensort haben suchen müssen: natürlich ausgerechnet unsere liebe Erde. Wenn ihr Heimatplanet so weit weg war, noch hinter der allerletzten Galaxie, die nach der Milchstraße kommt – das genaue Zitat habe ich nicht mehr im Kopf – warum haben sich die Aliens dann gerade unseren kleinen Planteten ausgesucht? Vor allem, da sie ja keinen Sauerstoff oder sonstigen Voraussetzungen benötigen, weil sie nur aus Licht bestehen, das ja bekanntlich auch sonst nicht so rar im Universum ist. Wissenschaftlich betrachtet wären ihre einzigen „Fressfeinde“ schwarze Löcher. Aber möglicherweise sind die Arum als Antagonisten der Lux auch sowas ähnliches. So genau wurde das allerdings nie erläutert.

 
Ach ja, die Arum. Sie werden als die Feinde der Lux dargestellt, die Mutter Natur (oder wem auch immer) wohl etwas zu mächtig geworden sind und die deshalb einen Antagonisten brauchten. In dieser Funktion erweisen sich die Arum am Ende der Reihe auch noch als ganz nützlich. Davon mal abgesehen bekommt der Leser kaum irgendeine Vorstellung darüber, was diese Aliens den ganzen Tag lang so machen, außer als dunkle Wolken durch die Gegend zu wabern und die Lux auszusaugen. Ein bisschen eintönig, oder? Wobei, wenn ich so an meine Mitmenschen denke, kenne ich wohl den ein oder anderen Arum persönlich.
 

Ich schweife ab.
 

Also, um nochmal das Ende der Reihe anzusprechen. Wenn schließlich auch der Rest der weniger wohlgesinnten Lux auf die Erde kommt und eine Invasion beginnt: Weshalb haben die Arum nicht sofort eingegriffen, als sich ihnen die Möglichkeit bot? Warum haben sie gewartet, bis der ganze Haufen auf unserem Planeten angekommen ist, auf dem auch sie leben wollten? Damit es schwieriger wird, oder die Geschichte nicht zu kurz? Jennifer L. Armentrout hätte die Seiten auch mit Charakterisierung und Worldbuilding füllen können. Hat sie aber nicht. So erfährt man über die Lux und ihr Leben vor der Erde auch so gut wie gar nichts. Oder davon, wie sie sich fortpflanzen, wo doch ein extremer Überschuss an männlichen Aliens vorherrscht. Was ich mich am Rande gefragt habe: Wieso werden die männlichen Lux, wie Dawson, die nicht für die Paarung vorgesehen sind, weil einfach verdammt nochmal keine Frauen mehr übrig sind, ausgeschlossen, wenn sie was mit einem Menschen anfangen? Was sollen sie denn machen? Generell scheinen die Frauen bei den Aliens sehr kurz zu kommen, was mich persönlich ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt. Ebenso wie die Tatsache, dass die weiblichen Charaktere der Geschichte – Katy eingeschlossen – zwar sicher nicht als schwach beschrieben werden, aber meines Erachtens auch nicht unbedingt den Bechdel-Test bestehen würden. Außerdem wird Katy sowohl von Daedalus als auch von den Arum und allen möglichen anderen feindlichen Figuren fast ausschließlich als Druckmittel für Daemon benutzt. Und ihre Beziehungen zu anderen weiblichen Charakteren reduzieren sich im Laufe der Geschichte erheblich. Tatsächlich ist sie am Ende der Reihe vollständig von ihrem normalen Umfeld isoliert, genau wie auch Beth, die allerdings noch weniger Eigenständigkeit ausstrahlt, sodass es bei ihr weniger auffällt. Ich könnte, wenn wir schon bei diesem Twilight-Phänomen sind, auch noch ausführen, dass mir Daemons besitzergreifendes Verhalten ganz schön auf die – was auch immer – gegangen ist, aber ich will mich nicht unnötig reinsteigern.

 
 
Wie ihr vielleicht rausgelesen habt, halte ich die Reihe nicht für hohe Literatur. Sie hat aber trotzdem einen guten Unterhaltungswert. Ich hatte einigen Spaß an den Büchern, das heißt, wenn ich gerade nicht vollkommen frustriert war. Ich habe mir sogar das Spin-off „Revenge“ bestellt. Weil Luc hier eine zentrale Rolle spielt und - ich hoffe bei Gott -, dass Armentrout das nicht versaut, denn Luc war so ziemlich die einzige nicht-frustrierende Figur in den über zweitausend Seiten der Obsidian-Reihe.
 
 

Lange Rede kurzer Sinn, diese Bücher sind mit Sicherheit nicht für jeden was, aber sie versprechen Unterhaltung, sind manchmal witzig (teilweise sogar beabsichtigt!) und zumindest Katy und Daemon sind mir zum Ende hin doch ziemlich ans Herz gewachsen. Ach, wäre es schön gewesen, wenn sie auch manchmal ihr Hirn benutzt hätten.
 
 

*2 von 5 Sternen*



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