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"Davor und Danach - Überleben ist nicht genug"

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von in Jugendbuch · 9 April 2020
Das Erste, was ich an diesem Buch loben möchte, ist das Cover. Es zeigt eine Frau und ein Kind, die aus Goldstaub zu bestehen scheinen. Mehr nicht. Kein Text stört die Mystik dieses Bildes. Das Cover hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Kurz: es hat mich wirklich angesprochen.  

 
 
Übertroffen wird das Cover aber von der Geschichte (und ich freue mich, das schreiben zu können)
 
"Davor und Danach" ist eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe, wenn nicht eines der besten überhaupt.  Dabei war ich anfangs nicht einmal so richtig angetan von dieser Geschichte. Das lag nicht am Schreibstil, der ist wunderbar. Auch die Stimmung ist wirklich toll. Aber ich habe anfangs nur schwerlich ins Geschehen hineingefunden, da die Erzählerin, Mhairi, sehr oft abschweift, philosophiert, Andeutungen über ihr Leben im Davor macht, über die Dinge spricht, die sich danach verändert haben etc.. Diese ruhige Erzählweise steht im starken Kontrast zur Ausnahmesituation, in der sie sich befindet und die zur Folge hat, dass Mhairi mit einem namenlosen, stummen, kleinen Jungen weiterziehen muss, durch eine Wüste, die einmal England gewesen ist.

 
Diese dystopische Bildgewalt hat mich letztlich in der Geschichte gehalten und im Verlauf immer mehr gefesselt. Hinzu kommt die erschreckende Aktualität: Die Erde ist zu heiß geworden. Die Menschen fliehen nach Norden, wo es bald keinen Platz mehr für sie gibt. Der Zentraläquator ist unbewohnbar, die Polkappen sind geschmolzen. Es ist ein verdammt realistisches, unheimliches Szenario, das die Gesellschaft in einen Ausnahmezustand versetzt und ein vierzehnjähriges Mädchen dazu zwingt, sich allein (bzw. mit eigenartigen Begleitern) durch lebensfeindliches Territorium zu kämpfen, um auf ihre Heimatinsel zurück zu gelangen.

 
Während Mhairi innere Monologe führt, über die Welt spricht, wie sie einmal war und wie sie nun ist, ist sie oft gedanklich bei ihren Eltern. Man lernt im Lauf der Geschichte dadurch viel über ihre Reise, zum Beispiel, wie sie ihren stummen Begleiter kennengelernt hat, darüber, was passiert ist, dass sie sich entschieden hat, alles in ihrem Leben in ein Davor und ein Danach einzuteilen.
 
Mhairis Weg ist ein steiniger und sie muss immer wieder Überlebenswillen und Mut aufbringen, um alle Herausforderungen zu meistern, die vor ihr liegen, wobei sie auch realisiert: Das eigene Überleben ist nicht alles. Eine Erkenntnis, zu der sie vor allem durch die zunehmende emotionale Bindung an den kleinen Jungen kommt, zu dem sie anfangs noch sehr kalt und grob war.

 
Auf ihrer Reise lernen die beiden ganz unterschiedliche Menschen kennen: Beamte, die ihren Job nicht hinterfragen; Fremde, die Mitgefühl zeigen; voreingenommene und unvoreingenommen Menschen und es stellen sich immer wieder die großen Fragen: Warum definiert jeder 'richtig' und 'falsch' anders? Was muss getan werden, dass es nicht nur dir, sondern allen besser geht, und ist das Allgemeinwohl letzten Endes wirklich wichtiger als ein Einzelleben?

 
„Davor und Danach“ ist eine der Geschichten, die wirklich unter die Haut gehen und einem noch Ewigkeiten im Gedächtnis bleiben werden. Eine Geschichte, die selbst ein Davor-Danach-Gefühl erzeugt. Nicht nur war es unglaublich aufwühlend, mit Mhairis Dämonen konfrontiert zu werden, es gab auch zwischendurch immer wieder Ereignisse, die mich fragen ließen, was ich an ihrer Stelle getan hätte. Ob es richtig war, oder falsch - oder beides.
 

Schließlich komme ich natürlich noch auf das Ende zu sprechen: Nicky Singer hat sich getraut, einen unbequemen Schlussstrich zu ziehen, einen von dem ich mich jetzt noch nicht richtig erholt habe. Ein Ende, das mich Rotz und Wasser hat heulen lassen, aber auch die großen Fragen, die dieses Buch behandelt noch einmal unterstreicht.

 
"Davor und Danach" handelt von einem jungen Mädchen, das zu früh erwachsen werden musste, um zu überleben; das erkennen musste, dass das pure Überleben manchmal nicht ausreicht. Es handelt von einer Erde, die schwer misshandelt wurde und von einer Gesellschaft, die keine mehr ist. Die junge Protagonistin versucht, das Beste aus allem zu machen, es allen irgendwie recht zu machen, und scheitert damit auf Schritt und Tritt.

 
 
Fazit: Ich kann dieses Buch wirklich nur jedem ans Herz legen, egal ob jung oder alt – es ist hochaktuell, spannend und bewegend.

 
Fünf von fünf Sternen.


  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Dressler; Auflage: 1 (21. Januar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3791501003
  • ISBN-13: 978-3791501000



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